Material für Arbeitsblätter, Beispiele zu Fragen, Antworten, Erklärungen:

(1)
Vermute (Rate), was diese dicken Dinger an den Zweigen sein könnten!
Ist dir so etwas bereits bei verschiedenen Pflanzen aufgefallen?

Die dicken Dinger sind Pflanzengallen, es gibt solche Gallen, die aber sehr verschieden aussehen können an sehr vielen verschiedenen Pflanzen. Auffällig sind u.a. die diversen Formen der Blattgallen an Weiden und Eichen.

(2)
Rate (Vermute, Erkläre), was der Ausdruck "Wirtspflanze" bedeutet. Das Wort "Wirt" ist darin versteckt.

Der Wirt sorgt für seine Gäste. Die Wirtspflanze bietet Nahrung für die Tiere die von ihr leben, direkt, oder auch indirekt. Im Unterschied zum Wirt hat allerdings die Pflanze in der Regel von den Gallen keinen eigenen Vorteil.

(3)
Überlege (Vermute) wer in der Galle lebt und wie die Galle entsteht.

Gallen können aus verschiedenen Gründen und z.B. auch durch verschiedenste Tiere verursacht werden. Der Verursacher der Rosengallen ist die Gemeine Rosengallwespe, genau genommen die Fraßtätigkeit ihrer Larven, welche das pflanzliche Gewebe zu wucherndem Wachstum stimulieren.

(4)
Hast du eine Erklärung dafür, warum sich die Gemeine Rosengallwespe gerade die frischen Austriebe an den Rosenzweigen für das Ablegen ihrer Eier aussucht?

Dies sind die Bereiche in denen der Legebohrer einfach eindringen kann und deren Gewebe sich vor einem Wachstumsschub befindet, insofern ein Bereich der gut mit Nährstoffen und Flüssigkeit versorgt wird und der anschließenden Expansion keine Hemmnisse in den Weg gelegt werden.

(5)
Ich sehe ein(mehrere) Merkmale, welche Art(en) könnte(n) es deiner Meinung nach sein?

Geeignet besonders z.B.:
Rote Farben am Hinterleib - Gemeine Rosengallwespe
Legebohrer länger als der restliche Körper - Langstachelige Rosenerzwespe
Flügel mit vielen Adern und einem großen Flügelmal (Pterostigma) - Gelbe Rosenschlupfwespe
Fußglieder stark verbreitert und mit Dornen - Breitfüssige Rosenerzwespe

(6)
Manche der Insekten haben einen Legebohrer und manche keinen, welche Ursachen könnte dies haben, hier ist mehreres denkbar.

Nur die Weibchen haben einen Legebohrer da hiermit die Eier abgelegt werden.

Bei manchen Arten ist der weibliche Legebohrer (Ovipositor) so kurz, daß er nicht oder nicht deutlich sichtbar ist, diese Arten bohren nicht auf lange Strecken um ihre Eier abzulegen.
Manche Arten können ihren Legebohrer in den Hinterleib zurückziehen.

(7)
Bei manchen der Wespen mit langen Anhängen (Legebohrern) am Hinterleib schien dieser aus einem Teil, bei anderen aus drei Teilen zu bestehen. Hast du eine Erklärung hierfür?

Der Legebohrer besteht immer aus drei Teilen die bei den lebenden Tieren mittels kleiner Häckchen zusammengehalten werden. Nur bei manchen toten Tieren trennen sich diese drei Teile.

(8)
Könnte es sein, daß aus einer im Winter eingesammelten Rosengalle gar keine Gallwespen herausschlüpfen und wenn ja, welche Gründe könnte es hierfür geben?

Wir haben beim Einsammeln nicht auf die bereits vorhandenen Schlupflöcher geachtet und eine viel ältere Galle aus einem der vorhergehenden Jahre erwischt aus der bereits alle Gallwespen geschlüpft sind.
Die Parasitierungsrate betrug 100%, d.h. alle Gallwespenlarven wurden von Räubern und Parasitoiden gefressen die dann schlüpfen. Dieser Fall ist bei Rosengallen äußerst selten.

Die Galle wurde zu feucht gelagert sodaß alle Insassen verschimmelt bzw. verpilzt sind.

(9)
Erkläre die mögliche Herkunft des Namens "Schlafäpfel" für die Rosengallen.

Rosengallen wurden früher den Kindern zur Beruhigung in oder unter die Kopfkissen gelegt. Dies ist vielleicht nicht völlig abwegig, da die leise Fraß- und Bewegungstätigkeit der Insektenlarven in den Gallenkammern möglicherweise eine beruhigende Wirkung haben könnte.

(10)
Würde die Gemeine Rosengallwespe in einer Region aussterben, welche Arten würden mit Sicherheit ebenfalls aussterben?

Wie könnten andere Arten durch den Verlust der Rosengallen in ihrer Existenz beeinträchtigt werden?

Diejenigen Räuber, Einmieter und Parasitoite für die die Larven der Gemeinen Rosengallwespe oder hieran gebundenen andere Arten die ausschließliche Nahrungsquelle sind. Demgemäß alle Arten die im Nahrungsnetz auf den Larven der Gemeinen Rosengallwespe aufbauen und nicht auf völlig andere Insektenarten als Nahrungsquelle ausweichen können.
Auch für diejenigen die auch auf andere Insekten als Nahrungsgrundlage ausweichen können würde ein Teil ihrer Ressource in der Region verloren gehen. Dies vermindert zwar den Aktionsspielraum dieser Arten in der Region, hat aber nicht zwangsläufig immer ein Aussterben zur Folge.

Auch der Lebensraum ganz anderer Arten kann in seiner Qualität für diese gemindert werden, wenn es keine Rosengallen mehr gäbe, z.B. durch die verlorengegangene Nutzung der leeren Gallenkammern durch andere Insekten für ihre Winterruhe.

(11)
Erläutere den Begriff "Schlüsselarten". Welches könnte(n) die Schlüsselart(en) im Kleinökosystem der Rosengallen sein.

Schlüsselarten sind Arten in einem Ökosystem die dieses durch ihre Existenz, ihre Lebensweise bzw. die Resultate ihrer Aktivitäten ganz maßgeblich beeinflussen und deren Verschwinden obligat das Aussterben anderer Arten und eine maßgebliche bzw. schwerwiegende Änderung des Systems zur Folge hat.

Schlüsselart ist die Gemeine Rosengallwespe (s.a. Punkt 10). Alle anderen Insektenarten in System sind im Nahrungsnetz jeweils mehrfach gekoppelt und die Gemeine Rosengallwespe ist nicht obligat an eine bestimmte Rosenart für die Produktion ihrer Gallen gebunden.

(12)
Aus einer Rosengalle sind 5 Gemeine Rosengallwespen, 8 Gelbe Rosenschlupfwespen, 6 Schwarze Rosengallwespen und 4 Räuberische Rosenerzwespen geschlüpft. Können wir berechnen wieviele Eier das Weibchen der Gemeinen Rosengallwespe an dieser Stelle ursprünglich zwecks Gallenproduktion abgelegt hat. Können wir es genau berechnen oder nur grob schätzen? Aus welchen Gründen können wir genau berechnen oder nur grob schätzen?

Die bloße Addition (5+8+6+4=23 Eier) führt zwar in Warenhausbeständen aber selten in der Natur zu einem sinnvollen Ergebnis. Die Zahl 23 muß noch nicht einmal die Mindestzahl der ursprünglich abgelegten Eier - schon gar nicht die maximale Zahl angeben. Dies hat mehrere Gründe. Neben dem eher trivialen Grund, daß einige Eier, Larven bzw. Imagines aus welcher Ursache auch immer vorzeitig - vor dem Schlupf - verstorben sind, können mehrere Umstände die Rechnung verderben, die ihre Ursache in der Lebensweise der Arten bzw. ihrer Einbindung in dieses Nahrungsnetz finden. Die Schwarze Rosengallwespe ist lediglich "Einmieter" im System, ob ihr 6, oder mehr, oder weniger Larven der Gemeinen Rosengallwespe zum Opfer gefallen sind, kann im Nachhinein nicht mehr "errechnet" werden. Von der Lebensweise der Räuberischen Rosenerzwespe haben wir z.B. erfahren, daß sie sich nacheinander durch mehrere Gallenkammern fressen kann und dort vorhandene Larven tötet. Die Zahl 4 kann hierbei also durchaus für eine höhere Zahl gefressener Larven anderer Arten stehen. Wir können also nur vermuten, daß die Zahl der ursprünglich abgelegten Eier wahrscheinlich über 23 gelegen hat, vielleicht waren es 25, vielleicht auch 30, theoretisch könnten es z.B. aber auch 22 gewesen sein.

(13)
Bei einigen Arten wurden im Auszuchtergebnis sowohl weibliche als auch männliche Tiere festgestellt. Warum schlüpfen bei der Gemeinen Rosengallwespe nur Weibchen aus den Gallen?

Die Gemeine Rosengallwespe zählt zu den Arten mit einem anderen Grundtyp der Fortpflanzung, der sogenannten thelytoken Parthenogenese, bei der sich aus den unbefruchteten Eiern Weibchen entwickeln. Männliche Gemeine Rosengallwespen sind relativ selten anzutreffen und offensichtlich nicht zwingend erforderlich, um einen normalen Fortpflanzungszyklus zu vollziehen.

Alle anderen Arten des Systems zählen zu den Insekten mit arrhenotoker Parthenogenese, d.h. aus befruchteten Eiern schlüpfen Weibchen, aus unbefruchteten Männchen.